In der chinesischen Sprache werden Begriffe oft aus zwei Schriftzeichen zusammengesetzt. Der Begriff Krise wird mit weiji übersetzt.  Wei bedeutet Gefahr, ji ist als Zeichen in jihui (Chance) enthalten, und bedeutet unter anderem auch Gelegenheit.

In Krise ist also einerseits die Bedrohung enthalten, aber auch die Wende zum Besseren. Auch das griechische Wort krisis steht nicht nur für eine hoffnungslose Situation. Es bezeichnet ebenfalls eine Art Wendepunkt einer angespannten, gefährlichen Lage.

Im Sturm der Krise

Die Corona – Krise wackelte arg an unserer Gesellschaft. Sie liess die Wirtschaft zusammenbrechen, ganze Produktionsketten wurden unterbrochen. Die einen waren beruflich stark gefordert, andere zur Kurzarbeit verdonnert oder mit Existenzängsten konfrontiert. In vielen Familien musste zusätzlich die Kinderbetreuung und der Fernunterricht organisiert werden, enge Familienangehörige erkrankten…

In den letzten Wochen spürten viele Menschen diese Doppelbedeutung einer Krise. Wir alle erlebten grosse Veränderungen und Einschränkungen. Wir wurden aus der gewohnten Bahn geworfen, verloren mehr oder weniger das Gleichgewicht. Unsere alltäglichen Gewohnheiten wurden einerseits zerstört und durch die Unsicherheit wurden Ängste geweckt. Wir mussten lernen, dass wir uns nicht gegen alle Gefahren absichern können. Andererseits entwickelten sich neue kreative Ideen, um den Lockdown zu bewältigen. Angst und Schrecken kann sich durchaus in Aufbruchstimmung und konstruktives Denken und Handeln wandeln. Viele berichten, im Social Distancing gar eine neue Form von Nähe erlebt zu haben.

Im Sturm einer Krise, im Moment wenn alles zusammenzufallen droht, ist es aber sehr schwierig, irgendeine Chance zu sehen oder eine Wende zum Besseren zu erkennen. Mitten im Sturm dominieren meist Verzweiflung, Trauer und Leere. Diese können sich mit der Zeit in Wut umwandeln. Aus der Kraft der Wut und ihrer Ventilwirkung kann sich eine neue, positive Energie entwickeln, die in eine Neuorientierung mündet. Der Blick kann wieder nach vorn gerichtet werden. Es entstehen allmählich neue Ideen und Zielbilder. Ein Wandel geschieht und neue Entscheidungen können getroffen werden.

Krisen – Bewältigungsmodell

Die persönliche Krisenbewältigung verläuft sehr individuell und dauert unterschiedlich lang. Um kraftvoll durch eine Krise zu gehen braucht es Widerstandsfähigkeit (Resilienz). Diese ist nicht angeboren, sondern kann erworben werden. Die Phasen, die in einer Krise erlebt werden, sind oft vergleichbar mit jenen im Trauerprozess: (Nach dem 5 Elemente – Modell zu den Trauerphasen von Rosmarie Sondergegger)

  1. Schock, Lähmung, man will etwas nicht wahrhaben, Trauer
  2. Angst, Besinnung, Beginn der Lösungssuche
  3. Wut, Entscheidungen treffen, Blick nach vorn
  4. Ins Handeln kommen, neue Erfahrungen sammeln
  5. Eine Neuorientierung findet statt, die Leere füllt sich neu

Manchmal ist das Leben wie ein wilder, reissender Fluss. Das Wasser droht manchmal sogar über die Ufer zu treten… Je besser wir die Eigenschaften des Wassers kennen, desto eher gelingt es, wieder in ruhigere Fahrwasser zu gelangen.

Überstehen wir eine Krise, kann sich durch die Auseinandersetzung und Bewältigung mit der Krisensituation eine neue, innere Stärke entwickeln. Der Mensch wird resilienter – widerstandsfähiger. Eine Krise kann durchaus eine Chance sein!

Krise als Chance

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