„Die aktuelle Föhnlage erreichte gestern ihren Höhepunkt. In den Föhntälern wurden Böenspitzen von 80 -120km/h erreicht. In den westlichen und zentralen Alpen wurden in Kammlagen oberhalb von 2000 Metern ebenfalls lokal orkanartige Windböen von 130-170km/h registriert. Im Flachland und in den übrigen Landesteilen war es dagegen meist nur schwachwindig.“

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Wie reagieren Sie in stürmischen Zeiten? Haben Sie genügend Energie, um Stürmen zu trotzen? Reicht ein kleiner Windstoss, um Sie aus dem Gleichgewicht zu bringen oder trotzen Sie mit vereinten Kräften dem heftigsten Sturm bis auch die letzten Reserven schwinden? Wie widerstandsfähig sind Sie, wenn ihr System auf körperlicher, emotionaler oder geistiger Ebene belastet wird?

Jeder Mensch erlebt in seinem Leben stürmische Zeiten, die ihn aus dem Gleichgewicht werfen und die ihn zwingen, los zu lassen. Los zu lassen von Vorstellungen, Erwartungen, Mustern und Bewährtem. Es ist eine Kunst, beweglich zu bleiben, wenn ein Windstoss die Kräfte raubt, eine Böe uns zum Loslassen zwingt und uns gar ein Orkan mitreisst und wir unsanft von der Druckwelle zu Boden prallen und uns verletzen.

Krise – Gefahr und Chance

Liegen bleiben, ruhen, Kräfte sammeln, die Wunden pflegen und wieder aufstehen. Selbst im Fallen das Positive sehen und gestärkt aus einer Krise hervortreten ist ein grosses Ziel und mag in der Krise als unerreichbar scheinen. Die Natur lehrt uns, dass aus dem Vergänglichen wieder Neues entsteht. Das Chinesische Schriftzeichen für Krise bedeutet Gefahr und Chance. So ist jedes Loslassen eine Gefahr und Chance zugleich. Es ist ungewiss was passiert, wenn man etwas Altbewährtes loslässt oder loslassen muss. Genau darin entsteht aber die Gelegenheit, Platz für Neues zu schaffen und etwas Neues wachsen zu lassen.

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Persönlicher Krisenbegriff

Was bedeutet für Sie persönlich eine Krise? Welche Krisen kennen Sie? Oder geht es Ihnen immer gut? Muss es Ihnen immer gut gehen? Wichtig ist, eine (sich anbahnende) Krise zu erkennen. Erste Symptome wie Schlafstörungen, verändertes Essverhalten, Konzentrationsmangel, ungewohnte Dünnhäutigkeit, schnelles Ermüden… können über längere Zeit zu einer Krisensituation führen. Nicht immer muss eine Krise ein schwerer Schicksalsschlag wie eine Trennung, Jobverlust, schwerer Unfall, Burnout oder ein Todesfall sein. Tagtäglich werden wir mit kleineren und grösseren Krisen konfrontiert. Jeder Mensch nimmt sie anders wahr und verdaut sie auf die eigene Art und Weise. Die einen bleiben lange Zeit untröstlich im Schmerz, andere stehen schnell wieder auf und gehen weiter… Sie sind regelrechte Stehaufmännchen.

Persönliche Krisenkompetenz entwickeln – Schritte zur Resilienz

Resilienz (Widerstandskraft) ist nicht angeboren, sondern kann sich, gerade in Lebenssituationen die herausfordernd sind, entwickeln. Dies gelingt, wenn man die Fähigkeit erlangt, Rückschläge und einschneidende Veränderungen als Anlass zur persönlichen Weiterentwicklung zu nehmen. Ein Mensch, der von einem Schicksalsschlag getroffen wird und nicht resilient ist, fühlt sich in erster Linie als Opfer der Umstände.

Präventives  Resilienz-Training

Wichtig ist vor allem, einen achtsamen Umgang mit sich selber zu pflegen. Eigene Bedürfnisse auf verschiedenen Ebenen wahrnehmen, befriedigen und nähren:

Körperliche Ebene
  • Sich gesund und ausgewogen ernähren. Auf ein Zuviel oder Zuwenig achten.
  • „Wo die Bewegung aufhört, beginnt der Stress.“ (P. Dennison) Erkennen, wo ist ein Zuviel an Bewegung oder Eile, macht man Sport zum Spass oder ist man zur Leistung getrieben, Brain Gym oder Yoga Übungen im Alltag einplanen. Wo mangelt es an Bewegung, was rostet…?
  • Sich genügend Stunden Schlaf vor / nach Mitternacht gönnen und sich dem Einschlaf- Durchschlaf- und Aufwachverhalten bewusst werden. Ein Powernap am Mittag wirkt Wunder.
  • Sich Zeit nehmen für Körperpflege und sich „schön“ machen. Ein Entspannungsbad geniessen, Spaziergänge an der frischen Luft unternehmen, auf Sonnenterrassen ausruhen, innehalten bei einer Tasse Tee, sich IK Balancen gönnen…
Geistige Ebene
  • Arbeits- und Denkpausen einschalten. Ein spannendes Buch lesen, stricken, mit Freunden abmachen und sich austauschen, singen, einen Film schauen, nichts tun, meditieren.
  • Sich bewusst werden in welchen Bereichen man zuviel oder zuwenig aufnimmt. Was dreht immerzu im Kopf herum, wo ist Leere…?
Emotionale Ebene
  • Sich Ängsten stellen und sie überwinden lernen. Belastende Geschichten nicht mit sich nachtragen, verzeihen lernen und negative Gefühle und Gedanken in positive verwandeln. Persönliche Bedürfnisse ausdrücken und massvoll ausleben.
  • Was ist für Sie persönlich wichtig? In welchen Bereichen sind sie in Balance? Wo könnten Sie sich stärken?
Resilienz aufbauen in Krisensituationen

(Nach Resilienzfitness Dr. Jutta Heller)

Erkennen und annehmen des „ Ist – Zustandes“. Die Realität nicht verdrängen, sondern sich mit der Situation auseinandersetzen. Entscheiden, wie man mit der herausfordernden Situation umgeht.

Vertrauen, dass sich die Situation zum Guten entwickeln wird. Nach dem ersten „Schock“ handeln, sich organisieren. Lernen, auch in schwierigen Situationen positive Aspekte zu erkennen.

Probleme als Herausforderungen und als lösbar einstufen. Das Wissen entwickeln, dass man immer selber entscheiden kann, in welche Richtung man gehen will. Einfluss nehmen, auf den weiteren Richtungsverlauf.

Sich schwierigen und unangenehmen Situationen stellen. Für sein Handeln Verantwortung übernehmen und Konsequenzen tragen. Hilfe holen und annehmen.

Der grösste Ruhm im Leben liegt nicht darin, nie zu fallen, sondern jedes Mal wieder auf zu stehen. (Nelson Mandela)

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Wir können also „Ruhm“ oder Stärke erlangen, wenn wir nach dem Fallen mit positiven Gedanken und in Frieden aufstehen und uns damit versöhnen, dass es nicht mehr ist, wie es war. Sich mit neuen, ungewollten Situationen versöhnen zu können heilt Wunden. Wer sich trotz Schmerz auf das Neue einlassen kann und mit offenen Sinnen vorwärts schreitet, gewinnt an Widerstandsfähigkeit und wird resilient. So fällt es beim nächsten Windstoss leichter, sich mit der Windrichtung mit zu bewegen und widerstandsfähig zu bleiben oder zu werden.

„Geteiltes Leid ist halbes Leid“ (Volksmund) – aber auch „Glück ist das einzige das sich verdoppelt wenn man es teilt“ (Albert Schweitzer)

Weder in der Prävention noch in der sich anbahnenden oder akuten Krisensituation müssen wir unsere Lebenssituation selber meistern. Es ist wichtig, sich mitteilen zu können. Wer im Familien-, Bekannten- oder Freundeskreis, welche Bezugs- oder Fachperson könnte zuhören und hilfreich zu einer Lösung beitragen? Die nächste Herausforderung kommt bestimmt. Man muss nicht warten, bis einem der nächste Windstoss wegweht, sondern kann präventiv Schritte unternehmen, um widerstandsfähig und beweglich zu bleiben oder werden.

In dem Sinne wünsche ich viel Power beim Unterwegssein in Herbststürmen, über und unter der Nebelgrenze und im farbigen Herbstwald.

Gedankenanstösse zu diesem Blogbeitrag erhielt ich an der IK Fachverein Weiterbildung 2016. Besten Dank für die Organisation und für die lehrreiche Präsentation von Rosmarie Sonderegger

Vom Winde verweht – Widerstandsfähig Krisen meistern

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